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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2007 Aktuelle Analyse: Mittelstand in Österreich

Wirtschaftslage Mittelstand in Österreich

Konjunktur im Mittelstand: Von Eintrübung keine Sur

Wien, 13.11.2007

Österreichs KMU sind so positiv gestimmt wie in den letzten zehn Jahren nicht und blicken hoffnungsvoll auf die nächsten sechs Monate.

Die Aussagen zur Geschäftslage der gut 1.800 von Creditreform befragten Unternehmer haben sich im Jahresverlauf noch einmal deutlich verbessert. Schon im vergangenen Jahr schätzte mehr als die Hälfte (54,3 Prozent) der Befragten ihre Lage mit sehr gut oder gut ein – aktuell stieg der Wert um weitere 12,1 Prozentpunkte auf jetzt 66,4 Prozent an. Mit mangelhaft oder ungenügend votieren nur noch 4,1 Prozent der Befragten (Vorjahr: 6,2 Prozent). Der Saldo der aktuellen Geschäftslage klettert im Herbst 2007 auf 62,3 Prozent und liegt damit so hoch wie in den letzten zehn Jahren nicht.

Die Umsätze stiegen bei 54,4 Prozent (Vorjahr: 47,4 Prozent) der Betriebe innerhalb des vergangenen halben Jahres an. Umsatzrückgänge hatten nur noch 11,8 Prozent zu verkraften; das ist ein Prozentpunkt weniger als im vergangenen Jahr.

Personalneueinstellungen vor allem im Bau

40,6 Prozent der Unternehmen des Mittelstandes konnten innerhalb der vergangenen sechs Monate ihren Personalbestand aufstocken – das waren 10,4 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Insbesondere die Baubranche sah sich zu Personalaufstockungen imstande: 46,1 Prozent stellten mehr Mitarbeiter ein – das sind fast doppelt so viele wie noch im Herbst 2006 (25,6 Prozent). Ihren Personalbestand verkleinert haben 8,2 Prozent der Bauunternehmen (Vorjahr: 12,7 Prozent) und 10,6 Prozent der Mittelständler insgesamt (Vorjahr: 14,8 Prozent). Ebenfalls eine positive Entwicklung verzeichnet die aktuelle Ertragslage der KMU in Österreich: 35,8 Prozent (Vorjahr: 29,7 Prozent) der Unternehmen berichten, mehr Gewinn erzielt zu haben. Nur noch 17,7 Prozent hatten weniger Ertrag hinzunehmen – vor einem Jahr waren es noch 23,7 Prozent.

Gute Aussichten für die kommenden sechs Monate

Ebenso wie die Aussagen zur aktuellen Lage fallen auch die Zukunftsperspektiven der Mittelständler besser aus als noch vor einem Jahr. 43,7 Prozent (Vorjahr: 37,6 Prozent) rechnen mit steigenden Umsätzen, und nur jeder zehnte Betrieb (10,1 Prozent; Vorjahr: 16,1 Prozent) befürchtet sinkende Umsätze. Zugelegt haben insbesondere die Bauunternehmen und die Dienstleister: Während im Baugewerbe die Zahl der Unternehmen, die auf mehr Umsatz hoffen, von 16,6 auf 27,7 Prozent anstieg, legten die Umsatzoptimisten im Dienstleistungsgewerbe um 10,5 Prozentpunkte auf 49,8 Prozent zu.

Jeder vierte Betrieb in Österreich (25,8 Prozent; Vorjahr: 18,7 Prozent) will innerhalb der kommenden sechs Monate Personaleinstellungen vornehmen. Personalverkleinerungen plant dagegen nur noch jedes zehnte Unternehmen (10,7 Prozent; Vorjahr: 17,2 Prozent). Noch mehr Unternehmen gehen davon aus, im kommenden halben Jahr steigende Erträge erwirtschaften zu können: 45,9 Prozent nach 39,0 Prozent im vergangenen Jahr. Mit nachgebenden Gewinnen rechnen nur noch 12,4 Prozent nach 18,1 Prozent im vergangenen Herbst. Nur einmal innerhalb der vergangenen zehn Jahre – nämlich im Jahr 2005 – lag die Saldenkennziffer der künftigen Ertragslage im roten Bereich bei minus 3,2 Prozent. Aktuell klettert sie hoch wie noch nie auf 33,5 Prozent.

Investitionsbereitschaft nur leicht verbessert

Auch die Investitionsneigung der KMU hat zugelegt, allerdings nicht so deutlich, wie vielleicht erwartet worden ist: 58,3 Prozent der Befragten wollen innerhalb der kommenden sechs Monate Investitionen tätigen. Das sind 2,3 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Herbst. Nach wie vor sollen die Investitionen hauptsächlich für den Ersatz alter Anlagen und Maschinen aufgewendet werden: 62,3 Prozent (Vorjahr: 56,3 Prozent) der Betriebe planen Ersatzinvestitionen. Dagegen gehen die Anlageinvestitionen leicht zurück: Nur noch 48,9 Prozent möchten Erweiterungsinvestitionen vornehmen – im Herbst 2006 waren es noch 49,3 Prozent. Rationalisierungen planen heuer 29,5 Prozent nach 28,8 Prozent im vergangenen Herbst.

Auch auf die Zahlungsbereitschaft der Kunden des Mittelstandes zeigt die gute Konjunktur Auswirkungen: Mehr Unternehmen – nämlich 58,1 Prozent nach 53,6 Prozent im letzten Jahr – zahlen ihre Rechnung fristgerecht innerhalb von 30 Tagen. Mehr als drei Monate lassen hingegen nur noch 2,4 Prozent der Kunden verstreichen, ehe sie aktiv werden und fällige Rechnungen begleichen. Im Herbst 2006 waren es noch mehr als doppelt so viele (5,4 Prozent).

Ebenso wie die Zahlungsfristen haben sich auch die Forderungsverluste zum Positiven entwickelt: Forderungsverluste in Höhe von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz erlitten 8,4 Prozent der Befragten – binnen Jahresfrist ein Rückgang um 1,7 Prozentpunkte. Dagegen stieg die Zahl der Betriebe, die Forderungsausfälle in relativ geringer Größe verkraften mussten, von ehemals 35,9 auf heuer 38,1 Prozent.

Neuer Höchststand bei den Insolvenzen

Die Insolvenzstatistik der ersten drei Quartale 2007 zeigt ein deutliches Auseinanderklaffen der Entwicklung von Unternehmens- und Privatinsolvenzen: Während die Firmenzusammenbrüche um 4,0 Prozent auf 4.841 Fälle zurückgingen (Vorjahr: 5.045), legten die Privatkonkurse deutlich um 15,3 Prozent auf heuer 6.481 (Vorjahreszeitraum: 5.623) Fälle zu und markieren damit ein neues All-time-high.

Neben der guten Konjunktur ist wohl auch die Stärkung der Eigenkapitalentwicklung für die Stabilität der Unternehmen entscheidend. Die Zahl der ausreichend kapitalisierten Betriebe (mehr als 30 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme) stieg im Jahresverlauf um 1,5 Prozentpunkte auf 33,3 Prozent an. Demgegenüber haben die beiden unteren Eigenkapitalklassen „unter zehn Prozent“ und „zehn bis 20 Prozent“ Rückgänge zu verzeichnen: Unterkapitalisiert (d. h. mit weniger als zehn Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme ausgestattet) sind nur noch 23,8 Prozent der Befragten, und über zehn bis 20 Prozent Eigenkapital verfügen noch 22,0 Prozent. Im letzten Herbst waren es noch 0,9 Prozentpunkte mehr.

Creditreform wollte wissen, wie oft die mittelständischen Unternehmen in Österreich durchschnittlich von der Insolvenz eines Kunden oder Vertragspartners betroffen sind, und was sie im Fall der Fälle unternehmen. 18,8 Prozent der Befragten waren innerhalb der vergangenen zwölf Monate Gläubiger in mehr als drei Insolvenzverfahren. Weitere 46,6 Prozent waren von einer bis drei Insolvenzen betroffen und nur ein gutes Drittel (34,3 Prozent) hatte in den vergangenen zwölf Monaten mit Kundeninsolvenzen nichts zu tun.

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