Studie Fitnessbranche: Ans Eingemachte

Die Creditreform Wirtschaftsdatenbank gilt als umfangreichste Datenbasis zu deutschen Unternehmen weltweit. Welche wertvollen Informationen sich aus diesem Fundus destillieren lassen, zeigt die Creditreform Rating AG in jedem Jahr mit einem umfangreichen Report zur Fitnesswirtschaft.


"Im nächsten Jahr mache ich endlich mehr für meine Gesundheit.“ Diesen Vorsatz fassen in der Silvesternacht alljährlich viele Zehntausend Menschen in Deutschland. Sehr zur Freude der Betreiber der gut 8.700 Fitnessstudios, dies es laut Statista bundesweit gibt. Sie registrieren in den ersten Wochen des Jahres eine Vielzahl von Neuanmeldungen. Mancher hochmotivierte Neuling unterschreibt gleich einen Vertrag über zwei Jahre, weil dann der monatliche Beitrag niedriger ist als bei einer kürzeren Bindung. Ein paar Wochen später folgt in vielen Fällen die Ernüchterung: Der Trainingseifer ist erloschen, die Besuche im Fitnessstudio werden seltener. Aber die Mitgliedsbeiträge werden noch viele Monate vom Konto abgebucht werden.

Auch wenn die Studios unter ihren 10,8 Millionen Mitgliedern zahlreiche inaktive Sportler haben: Der Trend zu Fitness und einer gesundheitsbewussten Lebensweise hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Und das Potenzial ist offensichtlich immer noch gewaltig: Befragungen zufolge könnte die Mitgliederzahl in den nächsten Jahren auf bis zu 14,5 Millionen steigen. Das ruft neue Anbieter auf den Plan. Etablierte Studiobetreiber eröffnen weitere Standorte, zudem suchen Branchenneulinge ihre Chance. Die Folge ist ein scharfer Wettbewerb, der in vielen Fällen über den Preis ausgetragen wird.

Wie fit ist die Branche selbst?

Dieser Frage geht Creditreform Rating zusammen mit dem Deutschen Industrieverband für Fitness und Gesundheit (DIFG) seit 2011 in jedem Jahr nach. Datengrundlage der Untersuchung ist die ­Creditreform Wirtschaftsdatenbank, die etwa vier Millionen wirtschaftsaktive Unternehmen und selbstständig Tätige sowie eine Vielzahl von bereits gelöschten oder insolventen Unternehmen umfasst. „Der Branchenreport gibt einen Überblick über die finanzielle Stabilität der Fitnessunternehmen und bietet die Grundlage für eine robuste Bewertung und verlässliche Einschätzung des Chancen-Risiko-Profils innerhalb der Fitnessbranche“, erläutert Benjamin Mohr, Chefvolkswirt der Creditreform Rating AG. Jeder Betrieb sieht, wo er steht und wo er eventuell noch Poten­zial besitzt. „Manchmal ist eine solche Analyse auch eine Argumentationshilfe in Gesprächen mit Banken“, sagt Johannes Kühner, Mitarbeiter der volkswirtschaftlichen Abteilung von Creditreform Rating und Mitautor der Studie. Die Creditreform Gruppe ist der Fitnessbranche ohnehin eng verbunden, da sie für zahlreiche Studios das Forderungsmanagement übernimmt. 

Microstudios im Trend

Obwohl einige Ketten über weit mehr als 100 Standorte verfügen, ist der Markt der Fitnessstudios sehr kleinteilig: Mehr als zwei Drittel der Betriebe beschäftigen höchstens zehn Mitarbeiter. Jedes zweite Studio erwirtschaftet einen Jahresumsatz von bis zu 250.000 Euro. An dieser Struktur wird sich nach Einschätzung der Autoren des Branchenreports auch mittel- und langfristig nichts ändern – ungeachtet der Konzentrationsbewegungen, die gelegentlich zu beobachten sind. Der Trend heißt: Microstudios, also kleine Studios, die sich auf besondere Trainingsformen oder Zielgruppen spezialisiert haben.

Um belastbare Aussagen zur Studiodichte in verschiedenen Bundesländern zu machen, hat Creditreform Rating die Zahl der Studios auf jeweils 100.000 Einwohner über 18 Jahre bezogen. So weist Hessen mit 13,4 die höchste Studiodichte auf. Am unteren Ende rangiert Mecklenburg-Vorpommern (6,6). Nordrhein-Westfalen (10,8) bewegt sich im Mittelfeld, obwohl im bevölkerungsreichsten Bundesland ein Fünftel der Studios beheimatet sind.
Die Insolvenzentwicklung lässt den Schluss zu, dass die Branche wirtschaftlich ordentlich dasteht: 2016 meldeten lediglich 58 Studios Insolvenz an. „Auch die längerfristige Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in der Fitnessbranche ist weiterhin deutlich abwärtsgerichtet“, heißt es in dem Report. Das Risiko ist gering, dass sich daran bald etwas ändert. Diese Prognose erlaubt der Creditreform Risikoindikator, ein Maß für die Insolvenzgefahr einer Branche. Dabei wird die Anzahl der Unternehmen, die in den vergangenen zwölf Monaten ein Negativmerkmal aufzuweisen hatten (etwa Haft­anordnung/Abgabe der eidesstattlichen Versicherung, unternehmerisches Insolvenzverfahren, Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen sowie ein Insolvenzverfahren über den Nachlass), zur Gesamtzahl der Unternehmen ins Verhältnis gesetzt. Ergebnis: Von 100 Fitnessstudios waren zum Zeitpunkt der Untersuchung lediglich zwei mit einem Negativmerkmal behaftet. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede. Während die Ausfallgefahr in Bayern (Risikoindikator 0,52) besonders gering ist, sind in Berlin (3,76) besonders viele Studios insolvenzgefährdet.

» In der Fitnessbranche gibt es eine zunehmende Spreizung zwischen Studios, die wirtschaftlich erfolgreich sind, und Studios, die weniger gut dastehen. «

Johannes Kühner, Creditreform Rating AG

Viele sind nicht rentabel

Ein Blick auf den Creditreform Bonitätsindex, ein Indikator, der ein aussagekräftiges Urteil über die Zahlungsfähigkeit erlaubt, offenbart jedoch auch Schwächen der Branche. Ein durchschnittlicher Indexwert von 270 Punkten ist gleichbedeutend mit einer mittleren Bonität. Damit liegt die Fitnessbranche auf dem Niveau der Bauwirtschaft sowie des Verkehrs- und Logistikbereichs. Gleichwohl ist festzustellen, dass die Bonität der Fitnessbetriebe im branchenübergreifenden Vergleich unterdurchschnittlich ausgeprägt ist. Der gesamtwirtschaftliche Bonitätsindex betrug zum selben Zeitpunkt 249 Punkte und signalisiert damit eine gute Bonität. Auffällig ist zudem, dass nur 1,5 Prozent der Studios eine ausgezeichnete oder sehr gute Bonität aufweisen – verglichen mit neun Prozent der Betriebe in der Gesamtwirtschaft.

„In der Fitnessbranche gibt es eine zunehmende Spreizung zwischen Studios, die wirtschaftlich erfolgreich sind, und Studios, die weniger gut dastehen“, erläutert Studienautor Johannes Kühner. Abzulesen ist das unter anderem an der Umsatzrentabilität. Zwar lag die EBT-Marge 2015 mit 4,6 Prozent auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Branchenerhebung von Creditreform Rating. Aber eine Vielzahl von Studios arbeitet nicht rentabel. Mehr als ein Drittel erwirtschafte eine Rendite von weniger als 0,5 Prozent, heißt es in dem aktuellen Report. Die Folgen zeigen sich in der Eigenkapitalausstattung: Bei mehr als 45 Prozent der Studios erreichen die eigenen Mittel nicht einmal zehn Prozent der Bilanzsumme. Das ist ein Niveau, bei dem Betriebe als „eher anfällig für Finanzierungsprobleme“ bezeichnet werden.

Kredit- und Leasinggeber, Lieferanten und andere Geschäftspartner melden regelmäßig Informationen zum Zahlungsverhalten ihrer Kunden an das Creditreform Debitorenregister (DRD). Auf dieser Datengrundlage lässt sich das Zahlungsverhalten und dessen Veränderung analysieren, sodass mögliche Negativentwicklungen zeitnah erkannt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden können. Bezogen auf die Fitnessstudios, bedeutet das: Ihre Gläubiger mussten sich 2016 im Durchschnitt 13,89 Tage gedulden, bis eine überfällige Rechnung beglichen wurde. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Verbesserung um 0,64 Tage. Ungeachtet dessen kommen die Studiobetreiber ihren Zahlungsverpflichtungen noch immer langsamer nach als die Gesamtheit der deutschen Unternehmen. Zum Vergleich: Branchenübergreifend lag die durchschnittliche Zahlungsverzugsdauer in 2016 bei 10,74 Tagen. Positiv für die Fitnessbranche ist dagegen die Entwicklung in den vergangenen Jahren zu werten. So verringerte sich der Abstand zwischen den Fitnessunternehmen und dem branchenübergreifenden Vergleichswert zuletzt das dritte Mal in Folge.

Quelle: Creditreform Magazin
Text: Stefan Weber

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