Creditreform Zahlungsindikator Deutschland - Winter 2016/2017

Lieferanten gewähren längere Zahlungsziele

Die halbjährliche Auswertung des Creditreform Debitorenregisters Deutschland für das 2. Halbjahr 2016 zeigt eine Ausweitung der Forderungslaufzeiten. Im Durchschnitt mussten Lieferanten und Leistungserbringer 42,29 Tage Geduld aufbringen, bis Rechnungen bezahlt wurden (2. Halbjahr 2015: 40,78 Tage). Grund für die Verzögerungen war im Wesentlichen eine Verlängerung der eingeräumten Zahlungsziele, der Zahlungsverzug blieb weitgehend unverändert. So gewährten Gläubiger im Schnitt 32,28 Tage Zahlungsziel – das waren 1,46 Tage mehr als ein Jahr zuvor.

Vergleichsweise lange Zahlungsziele wurden Unternehmen aus der Metall- und Elektrobranche gewährt – im Durchschnitt 36,90 Tage – und den unternehmensnahen Dienstleistern (36,81 Tage). Lockerungen bei den gesetzten Zahlungsfristen im Vergleich zum Vorjahr erfuhren insbesondere Unternehmensdienstleister, Einzelhändler und auch Logistiker.

Vorteil für Großkunden

Häufig wurden Großkunden lange Zahlungsziele eingeräumt. Im 2. Halbjahr 2016 waren es durchschnittlich 34,94 Tage – nochmals mehr als ein Jahr zuvor (32,38 Tage). Mit 29,11 Tagen sind die Zahlungsfristen für kleine Unternehmen merklich kürzer und gegenüber dem Vorjahr kaum verändert (28,84 Tage). Kleinere Lieferanten und Leistungserbringer mussten lange Forderungslaufzeiten von 51,67 Tagen hinnehmen, wenn es sich bei dem Kunden um ein großes Unternehmen handelte.

Der mittlere Rechnungswert betrug im 2. Halbjahr 2016 1.866 Euro und hat sich gegenüber dem Vorjahr (1.711 Euro) leicht erhöht. Die Spannweite im Hinblick auf die Rechtsform des Schuldners reichte von 569 Euro (UG) bis 3.398 Euro (eG). Bei den Wirtschaftsbereichen betrug der Rechnungswert 4.245 Euro bei Unternehmen aus der Chemie- und Kunststoffbranche und 901 Euro bei Debitoren aus dem Baugewerbe.

Zehn Tage Zahlungsverzug

Der durchschnittliche Zahlungsverzug bei B2B-Geschäftstransaktionen belief sich im 2. Halbjahr 2016 auf 10,01 Tage. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 9,96 Tage. In sechs der zehn analysierten Wirtschaftsbereiche kam es im Zeitraum Juli bis Dezember 2016 zu einer Verschlechterung des Zahlungsverhaltens. So ließen Unternehmen aus dem Logistiksektor ihre Gläubiger im Durchschnitt weitere 11,60 Tage warten, nachdem das eingeräumte Zahlungsziel bereits verstrichen war. Vor einem Jahr betrug die Verzugsdauer hier lediglich 8,81 Tage.

Bei einem Anstieg des Zahlungsverzugs wird die Liquiditätslage des Leistungserstellers bzw. Lieferanten belastet, da er die Aufwendungen für den Auftrag (länger) vorfinanzieren muss. Zudem besteht bei zunehmenden Zahlungsverzögerungen stets eine erhöhte Gefahr eines Forderungsausfalls.

Einzelhändler und Dienstleister schneller

Verschlechterungen im Zahlungsverhalten zeigte zudem die Metall- und Elektrobranche, wo der Zahlungsverzug um 0,87 auf 10,49 Tage stieg, sowie die Grundstoffindustrie (13,59 Tage; + 0,89 Tage). Verbessert hat sich das Zahlungsverhalten indes beim Einzelhandel, der einen durchschnittlichen Zahlungsverzug von 9,19 Tage aufwies (Vorjahr: 10,16 Tage). Auch unternehmensnahe Dienstleister zahlten ihre Rechnungen schneller als vor Jahresfrist. Der mittlere Zahlungsverzug betrug hier 9,18 Tage – 1,51 Tage weniger als in der Vorjahresperiode.

Das gesamte Forderungsvolumen in Deutschland verteilte sich ungleich auf die Wirtschaftsbereiche: 21,6 Prozent wurde von der Metall- und Elektrobranche verursacht, die aber nur gut ein Neuntel aller überfälligen Schuldner stellt (10,8 Prozent). Umgekehrt ist es im Baugewerbe: 26,3 Prozent aller überfälligen Debitoren stammten aus dem Baugewerbe, aber nur 9,3 Prozent des bundesweiten Forderungsvolumens. Große Unternehmen stellten mehr als die Hälfte des gesamten Forderungsvolumens (58,9 Prozent), obwohl ihr Anteil an allen erfassten säumigen Debitoren nur 8,2 Prozent betrug.

Der durchschnittliche Zahlungsverzug von Schuldnern der Rechtsform Unternehmergesellschaft (UG haftungsbeschränkt) war mit 18,08 Tagen erneut am höchsten. Trotz eines knapp bemessenen Zahlungsziels (21,85 Tage) dauerte es in der Summe somit fast 40 Tage, bis die Gläubiger ihre Forderungen realisieren konnten.

Datenbasis Creditreform Zahlungsindikator Deutschland:

  • Zu rund 960.000 Unternehmen liegen Zahlungsinformationen im Debitorenregister Deutschland (DRD) vor.
  • Ein Belegvolumen von ca. 60 Mrd. Euro zu 1.161 Branchen wird in Deutschland analysiert.
  • Monatlich gibt es ca. 8 Mio. neue Zahlungsinformationen.

Ansprechpartner:

Michael Bretz
Leitung Wirtschaftsforschung
Tel.: 02131/109-171
E-Mail: m.bretz@verband.creditreform.de

Janine Stappen
Abteilungsleitung DRD
Tel.: 02131/109-5105
E-Mail: j.stappen@verband.creditreform.de

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Neuss, 15. Februar 2017

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