Erstmals untersucht - Creditreform AG stellt Studie zum B2B-Online-Handel vor

E-Commerce ist in aller Munde. Aber es nicht nur der Einzelhandel, der sich über das Netz mit seinem Angebot an den Verbraucher wendet – zunehmend ist auch der Handel im B2B-Sektor von elektronischen Marktplätzen bestimmt. Dies geschieht eher lautlos und von den Medien unbemerkt. Creditreform hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für E-Commerce und Versandhandel e.V. den B2B-Online- und Versandhandel jetzt auf der Basis einer tiefgreifenden und neuartigen Untersuchung auf ein belastbares Zahlenfundament gestellt. Vor allem wurde nun erstmalig eine konsolidierende Analyse durchgeführt, welche die Handel treibenden Industrieunternehmen gleichermaßen wie Firmen, die zum Großhandel oder Direktvertrieb zählen, berücksichtigt. Um eine vollumfängliche Standortbestimmung der B2B-Online-Shops in Deutschland vorzunehmen, wurde mit einem Webcrawling-Ansatz ein neuer, innovativer Weg gegangen, über den ein Spiegelbild der Unternehmenslandschaft im Internet mit bisher unerreichtem Umfang generiert werden konnte.

Erstmals Zahlen …

Entscheidend ist, dass mit neuen Methoden über Suchbegriffe Rückschlüsse auf die Websites der jeweiligen Unternehmen gezogen werden können. In diesem Zusammenhang wurden zunächst aus der Gesamtliste aller rund 2,3 Millionen Firmen mit einer Website die Unternehmen herausselektiert, auf deren Firmenhomepage eine Shop-Seite identifiziert werden konnte. Über die Websites dieser Firmen wurde dann in einem zweiten Schritt eine Suchliste mit über 60 Schlagworten und Wort-Strings laufen gelassen, die mit dem bevh abgestimmt wurde und eine exakte Identifizierung eines B2B-Online-Shops ermöglicht. In anderen Worten wurde eine Vollerhebung der deutschen Wirtschaft im Internet vorgenommen und die B2B-Online-Shops über das Suchbegriffs-Set herausgefiltert. Über diesen Ansatz ist Creditreform zu dem Ergebnis gekommen, dass in Deutschland derzeit 5.491 Unternehmen mit B2B-Online-Shops existieren. Das wesentliche Alleinstellungsmerkmal dieser Analyse besteht darin, dass Creditreform die URLs der Unternehmen mit den traditionellen Informationen der Creditreform Datenbanken verknüpfen kann, welche auch die Datengrundlage unserer Berechnungen darstellen.

… und Strukturmerkmale der Player

Insgesamt beschäftigen deutsche B2B-Unternehmen mit Online-Shop 200.800 Personen. Zwar ist die Branche grundsätzlich von eher kleinen Unternehmen geprägt, doch bestehen im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Unternehmensverteilung markante Unterschiede. So ist ein Großteil der B2B-Versender im Gegensatz zur branchenübergreifenden Wirtschaftsstruktur in den mittleren Größensegmenten angesiedelt – zwei von fünf Unternehmen (42,8%) haben mehr als fünf Mitarbeiter (Gesamtwirtschaft: 19,5%). Der Onlinehandel hat zudem die etablierten Anbieter erreicht. Der B2B-Online-Handel ist weniger von jungen Start-up-Firmen geprägt, als vielmehr von bereits älteren Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit zunehmend ins Internet ausdehnen oder verlagern. Erstmalig wurde mit hartem Zahlenmaterial unterfüttert, was bislang nur aus anekdotischer Evidenz abgeleitet wurde. So besteht der B2B-Online- und Versandhandel nicht nur aus Handelsunternehmen, sondern setzt sich vor allem auch aus Quereinsteigern aus dem Produzierenden Gewerbe zusammen. Ein Fünftel (20,4%) aller B2B-Online-Shops wird von Unternehmen betrieben, die nicht im Handel verortet sind. Am weitesten scheint diese Entwicklung dabei in der Konsumgüterindustrie fortgeschritten zu sein. Ungeachtet dessen sind klassische Handelsunternehmen prägend für den B2B-Online-Handel. Dabei zeigt eine tiefergehende Untersuchung der Handelsunternehmen nach dem Tätigkeitsbereich, dass der B2B-Versandhandel vom Handel mit Informations- und Kommunikationstechnik dominiert wird, gefolgt von Händlern aus der Nahrungs- und Genussmittelbranche.

Auch im B2B-Bereich ist das Internet Umsatztreiber

Eine Betrachtung der erzielten Umsätze der Unternehmen, die im B2B-Online-Handel aktiv sind, deutet darauf hin, dass das Internet als Absatzkanal für Geschäftskundenbedarf in den letzten Jahren durchaus als Umsatztreiber in Betracht zu ziehen ist. Nach einem rezessionsbedingten Umsatzrückgang im Krisenjahr 2009 von 53,1 auf 51 Mrd. Euro konnten die Online-Händler seitdem beständig wachsende Umsätze vermelden. Nachdem die Umsätze in 2013 mit 69,1 Mrd. Euro 11,6% über dem Niveau des Vorjahres lagen, konnte in 2014 erstmals die Umsatzmarke von 70 Mrd. Euro überschritten werden.

Gutes Zahlungsverhalten und gute Bonität

Die B2B-Versandhändler verfügen über eine hohe Kreditwürdigkeit, tendenziell liegt bei den Betreibern eines B2B-Online-Shops ein geringeres Insolvenzrisiko vor als in anderen Branchensegmenten. Den B2B-Versendern kann in 2016 wie in den Vorjahren weiterhin eine gute Bonität bescheinigt werden, während sich die Bonität branchenübergreifend stets etwas schlechter darstellte. Die gute Bonität der B2B-Online-Händler ist insofern bemerkenswert, als dass die durchschnittliche Kreditwürdigkeit des deutschen Handels in den vergangenen sechs Jahren stets leicht schlechter ausfiel als die der Gesamtwirtschaft. Zudem unterscheidet sich die Kreditwürdigkeit in den einzelnen Tätigkeitsbereichen der Handelsunternehmen im Segment der B2B-Online-Shops zum Teil deutlich voneinander, wobei Handel mit Maschinen und Ausrüstung die höchste Bonität verzeichnet und der Nahrungs- und Genussmittelhandel den letzten Platz im Bonitätsvergleich einnimmt.

Indessen hat sich das Zahlungsverhalten der Betreiber von B2B-Online-Shops seit 2011 deutlich verbessert. Lag die Zahlungsverzugsdauer der B2B-Online-Shops in 2011 2,47 Tage über dem gesamtwirtschaftlichen Vergleichswert, entwickelte sich das Zahlungsverhalten im B2B-Online-Handel und der Gesamtwirtschaft seitdem sehr unterschiedlich. Während die Zahlungsverzugsdauer der B2B-Online-Händler seit 2011 einem markanten Abwärtstrend folgt und bis 2016 auf 7,93 Tage gefallen war, ist in der deutschen Gesamtwirtschaft tendenziell eine nachlassende Zahlungsmoral zu verzeichnen. Zahlten deutsche Firmen überfällige Rechnungen in 2012 noch nach durchschnittlich 9,30 Tagen, so betrug die Zahlungsverzugsdauer in 2016 10,86 Tage.

Den Betreibern von B2B-Online-Shops ist es zwischen 2008 und 2014 gelungen, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken. Nach einem kräftigen Zuwachs von 25,3 (2008) auf 28,2% (2010) bewegte sich die durchschnittliche Eigenkapitalquote der B2B-Online-Händler zwischen 2011 und 2013 in einem engen Band zwischen 29,1 und 29,4%, ehe der Aufwärtstrend wiederaufgenommen wurde. In 2014 verfehlte der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme mit 29,9% nur knapp die 30%-Marke. Im selben Zeitraum konnten auch die Handelsunternehmen ihre Eigenkapitalausstattung deutlich stärken. Lag die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Handel 2008 mit 19,3% noch merklich unter der Eigenkapitalausstattung der B2B-Händler, so kletterte der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme beständig und hatte sich in 2014 mit 27,7% dem Niveau der B2B-Online-Shops angenähert.

B2B-Online-Handel – eine Success-Story

Mit Blick auf die Profitabilität der B2B-Online-Anbieter zeigt sich, dass diese vergleichsweise effizient mit den ihnen zur Verfügung stehenden Finanzmitteln wirtschaften. Die durchschnittliche Gesamtkapitalrentabilität der B2B-Versandhändler rangierte über den gesamten Beobachtungszeitraum oberhalb des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts – branchenübergreifend lag die Gesamtkapitalrentabilität deutscher Unternehmen in 2014 bei 5,9% und damit 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Segment der B2B-Onlineshops (6,4%). Auch im Vergleich zum Handel konnten B2B-Online-Shops fast durchweg höhere Umsatzrenditen erzielen – zuletzt erreichte der Handel eine durchschnittliche Rendite von 6,3%.

Die Studie steht ab Mitte April zum kostenlosen Download zur Verfügung.

© 2017 Creditreform Hannover-Celle Bissel KG

Kontakt

allgemeineskontaktformular

Allgemeines Kontaktformular
Kontakt