Lieferantenkredit? Bankkredit?

Für den Mittelstand sind kurzfristige Bankkredite und die Finanzierung über den Lieferantenkredit die wichtigsten Quellen. Wie stehen diese beiden Tools kurzfristiger Mittelbeschaffung zueinander? Wie steht es um die Fremdfinanzierung angesichts niedriger Zinsen und eher geringer Ausfallrisiken? Schließlich kommt kaum ein Unternehmen ohne Fremdkapital aus. Die Verbindlichkeiten des deutschen Mittelstandes belaufen sich auf schätzungsweise 790 Mrd. Euro. Das zeigt jetzt eine Analyse der Passivseite der Bilanzen von rund 5.800 deutschen Unternehmen aus der Creditreform Wirtschaftsdatenbank.

Keine Eigenkapitallücke

Diese Verbindlichkeiten sind zunächst vor dem Hintergrund der Eigenkapitalsituation zu sehen. Und tatsächlich bringt die aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung nicht nur zur konjunkturellen Lage im Frühjahr 2018, sondern auch zur Finanzierungssituation der Betriebe gute Nachrichten. Der Anteil der Unternehmen, die über eine solide Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent verfügen, ist wieder leicht auf 30,6 Prozent gestiegen (Vorjahr: 29,3 Prozent). Im Vorjahr kam es hier zu einem merklichen Rückgang – wohl aufgrund der günstigen Fremdkapitalzinsen. So verzeichneten auch mehr Unternehmen als im Vorjahr eine Eigenkapitalquote zwischen 20 und 30 Prozent (17,4 Prozent; Vorjahr: 15,3 Prozent). Aber es bleibt leider auch ein konstanter Sockel schwacher EK-Finanzierung (unter 10 Prozent) von ebenfalls rund 30 Prozent.

Kurzfristige Finanzierung

Aber zurück zur Fremdfinanzierung: Die Bilanzanalyse zeigt, dass mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens der Verbindlichkeiten (52,7 Prozent) auf Zahlungsverpflichtungen gegenüber Kreditinstituten entfällt. Allerdings: Der Großteil davon hat eine Kreditlaufzeit von über einem Jahr. Relevant sind die kurzfristigen Kredite – und das sind 16,3 Prozent der Verbindlichkeiten im Mittelstand gegenüber Banken, 15,8 Prozent resultieren aus erhaltenen Lieferungen und Leistungen. Diese haben für die Fremdfinanzierung also in vielen Bereichen des Mittelstandes damit den gleichen Stellenwert wie der kurzfristige Bankkredit.

Interessant ist die zeitliche Entwicklung von Bank- und Lieferantenkredit seit der Finanzkrise 2009 bis jetzt. Hier wird eine zunehmende Bedeutung von Lieferungen und Leistungen als Fremdkapital für den Mittelstand erkennbar. So bestanden im Jahr 2009 die gesamten Schulden des Mittelstandes zu 14,9 Prozent aus Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen – im Jahr 2016 waren es schon 15,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Verschuldung des Mittelstandes mittlerweile weniger auf Bankkredite gestützt. Im Jahr 2009 waren noch deutlich mehr als die Hälfte (55,2 Prozent) des Fremdkapitals Bankschulden – im Jahr 2016 verringerte sich dieser Anteil auf 52,7 Prozent.

Wirtschaftsboom erhöht Volumen der Verbindlichkeiten aus L&L

Markanter noch wird die Bedeutung des Lieferantenkredits, wenn es um die Höhe der Verbindlichkeiten geht. In der Summe erhöhte sich der Schuldenstand des Mittelstandes in dem Zeitraum 2009 bis 2016 um 5,9 Prozent. Dabei nahmen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen deutlich um 18,5 Prozent zu, während das Volumen der Bankverbindlichkeiten im Mittelstand in etwa stagnierte (plus 1,0 Prozent). Bei diesem Vergleich mit 2009 wirkt sich aus, dass damals aufgrund der Wirtschaftskrise das Volumen der Geschäftstransaktionen und damit auch der Summe der Lieferungen und Leistungen geringer ausfiel. In den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigen sich zum Teil unterschiedliche Entwicklungen. Demnach war im Dienstleistungsgewerbe ein Rückgang des Schuldenstandes insgesamt zu verzeichnen – vorrangig aufgrund einer Verringerung der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten.

Der Mittelstand beliefert Großunternehmen

Der Vergleich mit Großunternehmen (Bilanzsumme von mindestens 500 Mio. Euro) zeigt die stärkere Bankenabhängigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland (Bilanzsumme von maximal 43 Mio. Euro). So machen Bankverbindlichkeiten bei Großunternehmen lediglich 17,6 Prozent des Schuldenvolumens aus – sonstige Verbindlichkeiten dominieren. Dabei zeigt sich bei Großunternehmen in der Tendenz eine rückläufige Bedeutung der Bankkredite. Der Schuldenstand der Großunternehmen hat sich in dem Zeitraum 2009 bis 2016 deutlich ausgeweitet (ca. plus 41 Prozent) und ist vor allem zurückzuführen auf das Plus bei den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, die mittlerweile deutlich höher ausfallen als im Krisenjahr 2009, als Bestellungen und Lieferungen zurückgefahren wurden.

Fazit ist, dass der Lieferantenkredit – und die daraus resultierenden Verbindlichkeiten – für die Unternehmen eminent wichtig bleibt. Seine Absicherung auf der Seite des entsprechenden Forderungsmanagements ist unabdingbar – auch in Zeiten verbesserter Zahlungsmoral und geringerer Ausfälle.

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