Monitoring in Großbritannien: Neue Risiken früh erkennen

Großbritannien ist auf dem Weg, die EU zu verlassen. Noch sind die Bedingungen der Trennung unklar. Aber ohne Zweifel werden sich viele Geschäftsbeziehungen mit Unternehmen von der Insel ändern. Um Risiken besser abzusichern, wird ein Produkt zunehmend wichtig, das Creditreform International nun auch für Großbritannien anbietet: Monitoring.


Bis zum Spätsommer vergangenen Jahres schien es, als würden die Brexit-Anhänger recht behalten – mit ihrer These, dass der Abschied Britanniens aus der EU sehr viel weniger schmerzhaft ausfallen werde, als viele Volkswirte dies nach der Volksabstimmung vorgerechnet hatten. Im August 2017 gaben laut Eurobarometer gut 80 Prozent der Briten an, ihre finanzielle Situation sei gut. Und tatsächlich fiel der Wachstumseinbruch unmittelbar nach dem Brexit-Votum weitaus geringer aus als von den meisten Experten befürchtet.

Wolken am Horizont

Doch allmählich wird sichtbar, dass die Ausstiegsgegner mit ihren Warnungen so falsch nicht lagen. Die Stimmung in der britischen Wirtschaft trübt sich zusehends ein. Nach einer Prognose der OECD wird sich die Wachstumsrate in Großbritannien in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 2015 halbieren. Lediglich um 1,2 Prozent soll die Wirtschaft 2018 zulegen, einen Prozentpunkt weniger als in der Eurozone. „Der Brexit schwächt schon in der Gegenwart und der nahen Zukunft die ehemals so starke britische Wirtschaft“, heißt es in einem Bericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln.

Ein drohender Konjunkturabschwung vergrößert die unternehmerischen Risiken. In solchen Phasen suchen Marktteilnehmer erfahrungsgemäß verstärkt Orientierung - wie sie beispielsweise die Auskünfte von Creditreform bieten. Doch im Fall des Brexit greift diese Logik (noch) nicht. „Wir verzeichnen noch keine signifikant steigende Nachfrage nach Wirtschaftsinformationen und Auskünften über britische Unternehmen“, betont Wolfgang Keusgen, Geschäftsführer Creditreform International e.V. Er führt dies vor allem darauf zurück, dass noch unklar ist, wie das künftige Verhältnis zwischen Britannien und dem Kontinent aussehen wird. Denn zunächst ist die Politik am Zug. Erst wenn das Scheidungsprozedere geklärt ist, wird sich abschätzen lassen, welche Folgen der Brexit für einzelne Branchen und einzelne Unternehmen voraussichtlich nach sich ziehen wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das kaum seriös zu prognostizieren. Denn nach wie vor ist ein harter Brexit möglich, also ein Ausstieg ohne Abkommen mit der EU, womöglich im heftigen Streit. „Poli­tische Risiken kennen wir nicht“, sagt Keusgen.

Gefahr für Gläubiger

Aber natürlich gibt es Überlegungen und Vermutungen, was sich ändern könnte, wenn England und die EU getrennte Wege gehen. Dann dürfte beispielsweise das Europäische Mahnverfahren nicht mehr anwendbar sein. Das war vor bald zehn Jahren beschlossen worden, um Bürgern und Unternehmen schneller zu ihrem Recht zu verhelfen, wenn sie in der EU unternehmerisch oder als Privatpersonen wirtschaftlich aktiv sind. Für bestimmte Ansprüche im grenzüberschreitenden Rechtsverkehr wurden einheitliche gerichtliche Verfahren geschaffen. „Wenn Britannien nicht mehr Mitglied der EU ist und das Europäische Mahnverfahren nicht mehr anzuwenden ist, wird es für Gläubiger wieder viel umständlicher sein, zu ihrem Geld zu kommen“, prognostiziert der Creditreform International-Geschäftsführer.

Zu erwarten ist auch, dass die Zahl der in der Rechtsform der englischen Limited (oder kurz Ltd.) gegründeten Unternehmen in Deutschland weiter zurückgehen wird. Eine Ltd. war lange Zeit aufgrund der Haftungsbeschränkung und des geringen Startkapitals von einem britischen Pfund als Alternative zur GmbH interessant. Keusgen erinnert sich an Monate, in denen bis zu 1.000 Direktoren für Unternehmen dieser Rechtsform eingetragen wurden, die ihren Wohnsitz nicht in Großbritannien hatten, beziehungsweise aus Deutschland kamen. Diese Welle ist vorbei. Mehr noch: Jahr für Jahr werden viele Firmen aus dem englischen Unternehmensregister gelöscht, weil sie es in den vorangegangenen zwölf Monaten versäumt hatten, ein Lebenszeichen (Annual Return) zu senden. In diesem Fall nimmt das englische Recht an, dass die Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich aktiv sind. Wenn der Brexit vollzogen ist und die Niederlassungsfreiheit wegfällt, trifft dies insbesondere britische Unternehmen mit Sitz in Deutschland. Hierzulande wäre auf diese Unternehmen wieder die so genannte Sitztheorie anwendbar, womit sie lediglich als deutsche Personengesellschaft anerkannt wären. Dies hätte den Verlust der Haftungsbeschränkung und der Börsenzulassung bei der PLC sowie steuerliche Implikationen zur Folge. Die erleichterten Bedingungen des Unionsrechts zur grenzüberschreitenden Verschmelzung sowie zum grenzüberschreitenden Formwechsel würden ebenfalls wegfallen.

Monitoring wird wichtiger

Wie können international orientierte Unternehmen ihre Lieferanten- und Kundenbeziehungen oder auch strategische Partnerschaften absichern, wenn Großbritannien bald nicht mehr zur EU gehört? Auch eine detaillierte und fundierte Bonitätsbewertung, wie sie Creditreform International bietet, wird dann allein möglicherweise nicht mehr ausreichen. Denn sie bildet lediglich einen Status quo ab. „Künftig wird die dauerhafte Überwachung wichtiger Geschäftspartner, also das Monitoring, besonders wichtig werden. Schließlich können sich Geschäftssituationen und damit die Bonität von Unternehmen schnell ändern, ohne dass Geschäftspartner in Deutschland das zeitnah bemerken“, betont Keusgen. Das Monitoring liefert permanente Informationen über die aktuelle finanzielle Situation ausländischer Geschäftspartner und macht es möglich, Kreditrisiken frühzeitig zu erkennen. Es überwacht Firmenstamm- und Kommunikationsdaten sowie Vertreterbefugnisse und ist somit eine gute Ergänzung zur Creditreform Wirtschaftsauskunft International.


» Deutschen Unternehmen wird es im internationalen Geschäft zunehmend wichtig, Kunden und Lieferanten dauerhaft zu überwachen. «

Wolfgang Keusgen, Creditreform International

In Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz gehört die Risikofrüherkennung durch Monitoring seit langem zum Standard bei Creditreform. Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist dieser Service für 25 weitere europäische Länder ins Angebot gefolgt. Im ersten Halbjahr 2018 kommt unter anderem noch Großbritannien hinzu, im Laufe des Jahres 2018 ist dann der Rollout eines Monitoring-Service auf alle Länder weltweit geplant.

Creditreform International verfügt in nahezu allen Ländern der Welt über ein dichtes Netz von Partnern, die eine Vielzahl von Quellen auswerten. Dazu gehören Handelsregister, Gewerbeämter und Zahlungserfahrungspools. Sie sammeln Negativdaten (in Großbritannien beispielsweise sind Mahnbescheide öffentlich einsehbar) sowie Rückmeldungen von Sozial- und Finanzämtern. „Die Kunst besteht darin, dieses lokale Monitoring zu standardisieren, statt nur einmal im Jahr eine Risikoprüfung durchzuführen. Das beherrschen nur wenige Anbieter von Auskünften“, erläutert Keusgen.

Noch gehört das Monitoring eher zu den Spezialitäten unter den von Creditreform International angebotenen Wirtschaftsinformationen. Das (gemessen an der Stückzahl) am stärksten gefragte Produkt ist nach wie vor die Wirtschaftsauskunft – entweder in der „ausführlichen“ Variante mit Krediturteil und Höchstkreditempfehlung von bis zu einer Million Euro und Creditreform Bonitätsindex, oder in kompakter Form als Absicherung für kleine und mittelgroße Geschäfte. Allerdings: „Die Nachfrage ist zuletzt zugunsten des Monitorings zurückgegangen. Und dieser Trend wird sich fortsetzen. Deutschen Unternehmen wird es im internationalen Geschäft zunehmend wichtig, Kunden und Lieferanten dauerhaft zu überwachen“, sagt der Geschäftsführer von Creditreform International.

Quelle: Creditreform Magazin
Text: Stefan Weber

© 2018 Creditreform Hannover-Celle Bissel KG

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